WhatsApp-Exit

So, es ist geschafft, mein Account bei WhatsApp ist gelöscht. Auch Instagram flog aus der App-Liste, zum Löschen der Accounts konnte ich mich aber noch nicht durchringen.

Die Gründe:

  1. Datenschutz
  2. Etwas „digitale Ausdünnung“ (zu viele Gruppen, zu viele lustige Bilder, zu viele Sprachnachrichten, (ICH HASSE SPRACHNACHRICHTEN), zu viele Warnungen vor megatödlichen WhatsApp-Viren-Nachrichten.

Datenschutz? Ist das nicht inkonsequent? Schließlich verwende ich twitter und andere Dienste…
Ja, das ist es. Aber es ist ein erster bzw. nächster Schritt. Betreffs Dienste und Datenschutz stelle ich mir gerne die folgenden Fragen:

  1. Brauche ich den Dienst wirklich?
  2. Gibt es Alternativen?
  3. Wenn ich den Dienst brauche: Kann ich das Datensammeln reduzieren/konfigurieren?
    (Das gilt auch für Betriebssysteme. Schaut Euch z.B. mal Eure Win10 -Konfiguration an)
  4. Wie kann ich Dienste und Daten so verteilen, dass möglichst wenig bei EINEM Konzern liegt.

Vor sieben Jahren bin ich bei Facebook ausgestiegen, seit 2013 vermeide ich möglichst viele Dienste bei google, ich verwende Hardware-Tools gegen Tracker, vor kurzem wurde ich auf dudle der TU Dresden aufmerksam (statt doodle) – nur WhatsApp wurde ich einfach nicht los, da zu viele meiner Kontakte keine andere Messaging App verwenden.
Auch für Twitter habe ich beispielsweise keine vernünftige Alternative gefunden. (Ja, ich kenne Mastodon.)

Hat eigentlich mal jemand von Euch seine Profildaten bei WhatsApp angefordert? Macht das mal, das Ergebnis ist wirklich sehr “übersichtlich”. Vermutlich hatte ich eine andere Erwartungshaltung bezüglich des Begriffs “Profildaten”.

Warum jetzt?

Bisher blieb ich bei WhatsApp, weil es am meisten verbreitet ist, ich verwendete aber Threema wo es ging. (Mein WhatsApp-Status “Hi there, I’m using threema” half dabei weiter). Als das Bundeskartellamt seine Facebook-WhatsApp-Instagram Entscheidung verkündete, dachte ich nochmal über WhatsApp nach und kam zu dem Ergebnis, dass mir meine Kontakte diesbezüglich nun scheißegal sind: Kein Kontakt und keine Gruppe ist es mir Wert, dass Facebook noch weitere Daten über mich anhäuft. Wer keinen Bock hat, einen sichereren Messanger zu verwenden, soll mich eben anrufen oder mir eine Mail schicken.

Apropos Messenger und Mails: Das Projekt DeltaChat baut gerade eine Möglichkeit für Chatten per Mail-Konto – ich bin gespannt, wie das umgesetzt wird, ohne dass die Postfächer überlaufen.

Die Reaktionen

Die Reaktionen von meinen Kontakten waren recht unterschiedlich.
Von „Super, das sollten viel mehr Leute tun“ bis „Paranoia“ war alles dabei.
Merkwürdig ist, dass auch die Kontakte, die es „super“ finden, großteils keine alternativen Messanger verwenden – vielleicht sind die Kontakte auch einfach nur froh, dass sie mich los sind. 😉

Apropos Alternativen:

@dSchwarzeWolf sendete mir per Twitter freundlicherweise einen Security-Vergleich von Messaging-Apps.
Für mich kamen als Ersatz nur Threema, Signal oder Telegramm in Frage.
Auf Twitter gab es anschließend eine spannende Diskussion, ob ein Messanger unbedingt OpenSource sein sollte, für mich war das Thema Open-Source kein Entscheidungskriterium. Mir ist wichtig, wie viele Kontakte die App verwenden.
Zum Vergleich noch ein paar persönliche Daten – trotz Datenschutz 😉

ca. 70% meiner Kontakte* verwenden WhatsApp
26% verwenden Threema
7 % verwenden Signal
2 % verwenden Telegramm

(*Die Zahl ist ngenau, da ich von manchen Kontakten nur die Email-Adresse habe, andere verwenden zwei Mobilnummern.)

Fazit

Das Hauptargument gegen die Alternativen Messanger ist: „Da sind aber zu wenig Kontakte.“
Nachdem ich meinen Ausstieg an meine WhatsApp-Kontakte gesendet habe, haben sich vier weitere Kontakte bei Threema oder Signal registriert.
Nur so geht es, denn der Mensch ist ein faules Wesen. Solange Weg A noch offen ist, geht er nicht den unbequemeren Weg B. Beim Versuch mich zu erreichen, ist Weg A seit gestern nicht mehr verfügbar.

Ich bin gespannt, wie viele Leute aus meinem Umfeld noch umziehen. Heute habe ich einen Real-Life-Termin mit einer meiner WhatsApp-Gruppen. Ich nehme vorsichtshalber mal drei Euro mit, falls ich nochmal das Argument höre, dass z.B. Threema ja Geld koste…

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