Leuchtturmprojekte

Was haben uns die 80er-Jahre eigentlich gebracht? Richtig: Modern Talking und den Begriff „Leuchtturmprojekt“. Letzteres habe ich aber erst vor ca. 10 Minuten gelernt, der Begriff verursacht bei mir aber ähnlich viele Herpes-Bläschen (Herpes monetäres), wie das Erstgenannte.

Wikipedia: „Mit dem Begriff Leuchtturmprojekt wird ein vorbildliches Vorhaben bezeichnet, das neben dem eigentlichen Zweck auch eine Signalwirkung für zahlreiche Folgevorhaben haben soll. Neben dem Erfolg ist daher auch eine große Bekanntheit beabsichtigt. In Unternehmen wird dies gerne bei Richtungsänderungen oder Neuausrichtungen verwendet . Die Verwendung des Begriffs ist seit etwa 1980 nachgewiesen“

Den Begriff Leuchtturmprojekt höre ich in zwei Fällen:

  1. Die Sales-Leute haben (erfreulicherweise) ein neues Projekt an Land gezogen. Sie hoffen nun, dass ein erst zu 103% ausgelastetes Projektteam wie eine Motte ins Leuchtturmlicht fliegt und sofort starten will.
  2. Ein superwichtiger Kunde, meist aus dem Bereich „Food“ oder „Automotive“, ist der Meinung, dass wir für dieses großartige Leuchtturmprojekt unsere Tagessätze mal eben um 50% senken, oder am besten kostenfrei arbeiten.

Ich habe da leichte Bedenken, denn wo viel Leuchtturmlicht ist, ist auch viel Schatten. Ist Euch eigentlich schon aufgefallen, dass Leuchttürme selten an einer gemütlichen Stelle stehen? Ein Leuchtturm steht dort, wo es ungemütlich ist: Klippen, Untiefen, Tod, Gefahr, Möwenscheiße.

Nach dieser Definition eines “Leuchtturmprojektes” ist man also als Dienstleister in der ständigen Gefahr, auf die eben erwähnten Klippen aufzulaufen oder auf Möwenscheiße auszurutschen. Das ist beides nicht schön, denn im Projekt kostet Ausrutschen bekanntlich Geld. Aber was soll’s dafür haben wir ja diesen großartig wichtigen Kunden. Natürlich sollte man großartige Projekte mit Signalwirkung als Chance sehen und diese positiv angehen – aber bitte nur, nachdem man die Risiken vernünftig bewertet hat. Wenn man zusätzlich noch den Tagessatz senkt, liegt das Projektrisiko noch mehr auf der Seite des Dienstleisters. Ich habe den Verdacht, dass der drohende Geldverlust auch diese seltene Form des Projekt-Herpes (Herpes monetäres) auslöst. Ich lasse das mal untersuchen.

Hier noch eine Schnappschuss vom Leuchtturm aus dem Beitragsbild 😉

2 Kommentare

  1. Pingback:In eigener Sache – DesastrÖÖs

  2. Ich selbst habe den Eindruck, dass der Begriff des Leuchtturmprojekts nahezu inflationär verwendet wird. Das bedeutet, die gesamte Küste steht voll mit Leuchttürmen. Keine weiß also wohin er Segeln soll, welcher Turm gibt nun die Richtung vor?
    Aus meiner Sicht sollte der Begriff spärlich benutzt werden. Das würde vielen gut tun und als Projektmitarbeiter würde man nur halb soviel Stress haben.

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