Über Laternen und Schwerter


Letztens las ich mal wieder diesen alten Witz:

Ein Betrunkener krabbelt nachts auf Knien um eine Laterne. Da kommt ein Polizist vorbei und fragt ihn, was er da mache. „Ich suche meinen Schlüssel,“ sagt der Betrunkene. „Wo haben Sie denn Ihren Schlüssel verloren?,“ fragt der Polizist.
Antwort: „Irgendwo da hinten.“ — „Und warum suchen Sie hier?“ — „Weil es hier heller ist!“

Beim Lesen musste ich spontan an Wissensmanagement in Unternehmen denken. Viele Verantwortliche glauben, dass sich durch JIRA, Confluence & Co das große Problem der Komplexität auf ihrem Projektbauernhof lösen läßt.
Ich möchte ein gutes Wissensmanagement nicht schlecht reden, wer darin die Lösung sucht, sucht – wie der Betrunkene – im Licht der Laterne. Wissen ist hilfreich, aber es reicht ALLEINE nicht aus, denn wir brauchen Könner. Ein Ticketsystem oder ein Wiki speichert Wissen – aber kein Können. Können entsteht durch Talent, Übung und Erfahrung – dabei kann man Wissen und Wissensmanagement natürlich gut einsetzen.
Zur besseren Unterscheidung: Wenn ein „Könner“ das Unternehmen verlässt, kann sein „Wissen“ – durch Dokumentation – im Unternehmen bleiben, sein „Können“ bleibt nicht.

Vor einiger Zeit hörte ich einen Vortrag eines älteren Japaners über über Zen in der Softwareentwicklung. Er verglich Softwareentwicklung mit dem Schmieden eines Samurai-Schwertes. Das Wissen, wie man ein solches Schwert theoretisch schmiedet, reicht dem Schmiedegesellen nicht aus, um ein meisterhaftes Schwert zu schmieden. Erst, wenn er seinen Meister jahrelang beobachtet hat und viel geübt hat, wird der Geselle sein erstes Meisterschwert schmieden können.

Bild: Wikimedia / Rama

Merke: Wissen ist nicht Können. Wir brauchen Könner.
Geht mal aus dem Licht.

2 Kommentare

  1. Das ist wie Managementskills. Zwischen Wissen und Können kann ein Mississippi an Unfähigkeit liegen.

  2. Die Aufarbeitung von Wissen ist ein Weg zum Können. Einer unter mehreren.
    Es bringt allerdings auch nichts, nur Könner zu haben (aka Senior Berater), die ihr Wissen nicht teilen. Nur Zugucken reicht nämlich nicht als Wissensvermittlung.

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