Über eine Lappalie und Achtsamkeit auf der Hühnerleiter

Es folgt: Eine Lappalie. Wirklich?
Zwecks Anonymisierung gehen wir dazu mal wieder auf den Projektbauernhof.
Unsere kleine Farm wird durch die üblichen Hierarchien gesteuert, mit denen man ein Unternehmen eben so steuert. Das war schon immer so, und was schon immer so war, kann nicht so schlecht sein, sonst wäre es ja nicht schon immer so gewesen. Der Hof wird von einem Geschäftsführer geleitet, unter dem Geschäftsführer stehen, wie allgemein üblich, die Chiefs.
Die einzelnen produktiven Fachbereiche (z.B. Tierzucht und Ackerbau) haben ihre Chiefs, aber auch andere Bereiche, wie z.B. AR (Animal-Ressources), Infrastruktur oder Vertrieb, sind durch Chiefs im Managementboard vertreten.

Organigramm

Unter dem Chiefs stehen die Abteilungsleiter, die Direktoren. Im Operativen Bereich der Tierzucht wird beispielsweise der Hühnerstall, der Schweinestall und der Kuhstall jeweils von einem Direktor geleitet. In den jeweiligen Ställen gibt es dann wiederum Teams usw. .

Natürlich gehört es zu den Aufgaben der einzelnen Stallchefs, sich ständig Gedanken zu machen, wie man die Arbeiten in ihrem Fachbereich optimieren könnte. Und so kam der Hühnerstallchef auf eine großartige Idee: Um die Eier schneller und sicherer abtransportieren zu können, brauchen wir eine neue, vollautomatische Förderstrecke von den Teams zum Warenausgang. Dies verkürzt die Wege, vermeidet Kreuzverkehr auf der Strecke und senkt gleichzeitig das Unfallrisiko im Stall. Hochmotiviert bespricht er das Thema mit der Bauabteilung aus dem Bereich Infrastruktur.
Die Bauabteilung hat keine fachlichen oder baulichen Bedenken, auch der Denkmalschutz für die bestehenden Hühnerleitern und Alt-Prozesse wird genügend beachtet und so bespricht die Bauabteilung das Vorhaben mit dem Chief für Infrastruktur.
Dieser versteht die Anfrage nicht sofort und stimmt sich sogleich mit dem zuständigen Chief für Viehzucht ab: „Warum brauchen wir so etwas? Ich erkenne hier keinen Sinn.“ Seine Rückfrage geht jedoch NUR an dem Chief und nicht in “CC” an den Ideengeber.

Soweit der Ausflug in den Hühnerstall. Eine Lappalie? So viel Blogtext für so eine kleine Unachtsamkeit? So eine Panne beim Mailversand kann doch mal passieren. Wirklich?
Versetzen wir uns in die Rolle des Ideengebers: Der Mitarbeiter ist sauer: Er glaubt, dass er absichtlich nicht im Verteiler der Mail war: „Scheinbar kommunizieren die Chiefs nur mit Ihresgleichen, auf Chief-Ebene, hintenrum.“
Er fühlt sich als Ideengeber und Abteilungsleiter nicht ernst genommen. Er sieht darin ein weiteres Indiz in seiner Beweiskette, dass „Mitdenken“ nichts bringt und Entscheidungen nur „da Oben“ getroffen werden – von Leuten, die scheinbar das Tagesgeschäft nicht verstehen.
Folglich wird er sein künftiges Handeln danach ausrichten. Wer glaubt, dass er nicht mitdenken darf, wird auch nicht mehr mitdenken.

Führung mit Achtsamkeit

Es wäre nicht fair, dem entsprechenden Chief absichtliches Handeln zu unterstellen, aber dieses Beispiel soll zeigen, wie aus einer kleinen Unachtsamkeit in der Kommunikation eine erstaunlich große Welle entstehen kann.
Es ist die Summe solcher Unachtsamkeiten, die Projektarbeit oft unnötig anstrengend macht, oder sogar ganze Projekte und Teams scheitern lässt.

Wenn Projekte aufgrund von Kommunikation scheitern, wenn Teams oder einzelne Mitarbeiter durch schlechte Kommunikation frustriert werden, müssen wir die Prioritäten in unserer Leitungsarbeit überdenken.
Ein Techniker, der weiß, dass Schraube 23 Probleme macht, wird Schraube 23 bei der Wartung besonders kontrollieren. Er lernt aus Erfahrung und richtet sein Handeln danach aus. Sollten wir demnach den Fokus bei Leitungsaufgaben nicht viel mehr auf Kommunikation und Führung lenken?

Leider wird Projektleitung / Teamleitung / Abteilungsleitung / Bereichsleitung noch viel zu oft als fachliche Aufgabe angesehen. Daher kommt auch der Irrglaube, dass Projektleitung etwas technisches sei – eine Aufgabe, die am besten durch Techniker zu erledigen ist. Das ist Unsinn, denn die Herausforderung besteht darin, Menschen auf Augenhöhe, mit Respekt und Achtsamkeit zu führen.

Liebe Führungskräfte: Ein vergessenes „CC“ ist keine Lappalie.
Es geht um Achtsamkeit.
Seid achtsam, wie ihr hierarchieübergreifend kommuniziert.
Seid achtsam gegenüber den Mitarbeitern, die nicht auf der gleichen Stufe der Hühnerleiter stehen.

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