Auswege aus dem System der Unfähigkeit

Im Nachgang zu meinem gestrigen Post über das „System der Unfähigkeit“ wurde ich ein paar mal aufgefordert, doch bitte etwas zu schreiben, wie man aus diesem System entkommt.

Nichts leichter als das, aber ihr ahnt es schon: Einige der Punkte, die eine Flucht aus dem System ermöglichen, stehen nicht in der Macht des einzelnen Mitarbeiters. Sie erfordern, dass das System sein Problem erkennt und daran arbeiten möchte.

Trotzdem: Hier der gewünschte Nachtrag. Außerdem möchte ich mir ja nicht nachsagen lassen, dass der DesastrÖÖs-Blog nur die desastrÖÖsen Sachverhalte ohne Lösungsweg aufzeigt.

Um das ganze etwas plastischer zu machen, verwende ich bei einigen Punkten mal wieder das Beispiel des Projektbauernhofs.

Schritt 1: Fokussiert euch – Weniger ist mehr

Dis gilt für Produkte, Technologie, Vertriebswege usw.: Verschleißt weniger Ressourcen an den falschen Stellen.

  • Welche Produkte fordert der Markt?
  • Welche Technologien fordert der Markt?
  • Welche Produkte/Technologien erfordern viele Ressourcen/Arbeit/Wissen?
  • Welche Produkte sollte ich einstellen?

Bezogen auf den Projektbauernhof würde ich sagen: „Dünnt die Speisekarte des Hofrestaurants aus!“ Die wenigen Gerichte auf der Speisekarte haben oft eine höhere Qualität, passen besser zu den Prozessen in der Küche, erfordern weniger Lagerhaltung und vereinfachen es dem Koch. Fangfrischer Seelachs gehört nicht auf die Speisekarte des Bio-Bauernhofs im Allgäu.

Ein befreundeter Entwickler sollte sich letztens in eine Fortran-Anwendung einarbeiten, weil diese noch auf der Produktspeisekarte des Hauses stand.
Nein, er war nicht begeistert, sondern schrieb das Ding lieber neu.

Schritt 2: Macht das Personal und das Produkt fit

Nachdem wir uns im Schritt 1 auf weniger Gerichte auf der Karte geeinigt haben, gilt es nun, mein Personal dahin zu bekommen, dass es den Gästen schmeckt und der Laden brummt.

  • Welche technischen Geräte brauche ich in der Küche und in der Hof-EDV?
  • Welche Qualifikation werden meine Mitarbeiter für die neuen Produkte und Technologien brauchen?
  • Wie trainiere ich meine Mitarbeiter an diesen Geräten?
  • Wie dokumentiert der Koch seine Rezepte?
  • Brauche ich einen zweiten Koch?
  • Brauche ich externes Wissen? Zulieferer?

Ich denke, der Transfer in das Projektgeschäft ist hier weitgehend selbsterklärend. Ja, viele Unternehmen richten ihre Personalentwicklung an der Produktspeisekarte aus.

Schritt 3: Akzeptiert Fehler und coacht

Nach Schritt 1 und 2 ist schon vieles einfacher, aber es wird trotzdem nicht sofort jede Mahlzeit gelingen.

Es ist nicht schlimm, wenn der Junior-Koch, mal ein Essen versalzt. Der Junior-Koch sollte aber immer einen Chefkoch an der Seite haben, der ihn coacht. Im Projektgeschäft könnte das ein erfahrener Alt-PL oder ein Steuerungsgremium aus den wichtigsten Projekt-Stakeholdern sein. Wichtig ist aber, dass der Senior dem Junior nicht den Kochlöffel aus der Hand reißt. Am besten lernt man doch durch die eigenen kleinen Misserfolge, oder?

Wie geht es weiter?

Es gäbe sicher noch viele weitere Ansatzpunkte, aber mit diesen drei Schritten kann man ein Unternehmen verändern. Und das schöne: Diese drei Schritte passen zu fast jedem Unternehmen, unabhängig von der Organisationsstruktur oder vom Produkt.

Notfalls kann man Schritt 3 auch ohne Schritt 1 + 2 gehen, denn gutes Coaching ist immer wichtig. Wenn jedoch die Komplexität der Projekte das Hauptproblem ist, wird man nach dem xten dritten Schritt irgendwann stolpern und auf die Fresse fallen. Das passiert, wenn man Schritte weglässt.

Wer in komplexen Projekten noch mehr ändern will, sollte mal einen Blick auf Niels Pflägings „Organisation für Komplexität“ werfen. Ich würde bei weitem nicht alles in diesen Buch unterschreiben, es enthält aber viele spannende Ansätze.

Ein Kommentar

  1. Pingback:Projektmanagement: Tummelplatz der Unfähigen. – DesastrÖÖs

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