Über Bären im Kopf

Beim letzen Blogpost über die angebundenen Katzen habt ihr bewiesen, dass ihr Tiergeschichten mögt. Deshalb fange ich auch heute mit einer kleinen Fabel an:

Neben meinem Projektbauernhof liegt ein kleiner Wald. In diesem Wald lebten alle glücklich und zufrieden, bis eines Tages ein Problembär seine neue Höhle bezog.

Unter den Tieren im Wald machte nun sehr schnell das Gerücht die Runde, dass der Bär im Besitz eine Liste sei, auf der alle Tiere stehen die in Kürze sterben müssen.
Dem Igel lies das keine Ruhe, und so macht er sich auf zum Haus des Bären.
Igel: “Hallo Bär! Du mir ist da was zu Ohren gekommen. Stimmt das, dass du im Besitz einer Liste bist, auf der alle Tiere stehen die in kürze sterben müssen?” 
Bär: “Ja, da hast du richtig gehört. Das stimmt.” 
Igel: “Stehe ich da auch drauf?” 
Bär: “Ja, lieber Igel, da stehst du auch drauf” 
Mit hängendem Kopf schlich der Igel davon. Am nächsten Morgen fanden ihn die Tiere tot in seinem Haus.

Auch der listige Fuchs hielt es nun nicht mehr aus und begab sich zum Haus des Bären
Fuchs: “Bär, stimmt dieses Gerücht? Du bist im Besitz einer Liste auf der alle Tiere stehen die sterben müssen?”  
Bär: “Ja Fuchs, das stimmt.” 
Fuchs: “Stehe ich da auch auf der Liste?” 
Bär: “Ja Fuchs, da stehst du auch drauf.” 
Geschockt rannte der Fuchs weg, am nächsten Tag war auch er tot.

Da ging auch der Hase zum Bär.
Hase: “Bär das stimmt dann wohl, mit der Liste, oder”?
Bär: “Ja, Hase, das stimmt.” 
Hase: “Stehe ich da auch drauf, auf der Liste?”
Bär: “Ja, da stehst du auch drauf.” 
Hase: “Bär, du-du-du-du sag mal, kannst du mich von der Li-li-Liste streichen?” 
Bär: “Lieber Hase, das ist kein Problem.” 

Was lernen wir:
1. Kommunikation hilft. Immer.
2. Wir lernen auch viel über die sogenannte “Hierarchie der Angst”*.

Ganz klar: Es gibt Unternehmen, in denen es von Problembären wimmelt. (Ich habe lange mit solchen Alpha-Tierchen arbeiten müssen, die natürlich auch regelmäßig Revierkämpfe veranstalteten – das war nicht schön.) Wer dazu mehr lesen möchte: Zu diesem Thema empfehle ich sehr gerne den “Führung erfahren”-Blog vom Marcus Raitner.

Aber auch in Unternehmen ohne Bären (manchmal sogar ohne Wald) habe ich festgestellt, dass es oft eine “Hierarchie der Angst” gibt. Zumindest in den Köpfen der Füchse und Hasen. Warum ist das so?

Erziehung und der Schritt ins zweite Lehrjahr

Von Kindesbeinen erfahren wir, dass andere Leute unser handeln bestimmen. Erzieher, Lehrer, Eltern und so weiter.Das Nichtbefolgen von Regeln und Anweisungen hat Konsequenzen, wird manchmal sogar bestraft. Zum Erlernen der “wichtigen Dinge” im Leben ist das vielleicht auch nicht völlig falsch, aber leider wird oft der Schritt ins “nächste Lehrjahr” vergessen:  Zum mündigen, selbst entscheidenden Menschen, der bestimmte Spielregeln befolgt – weil er sie für richtig hält – aber in anderen Fällen auch gerne mal die Denkmuster bricht.

Ein Unternehmen kann die besten Führungskräfte haben, viele Mitarbeiter werden sich trotzdem wie im Bärenwald verhalten, da man das halt so macht.
Dabei existieren die Bären nur im Kopf. Hier ist viel Aufbauarbeit und Umdenken auf allen Seiten erforderlich, damit Fuchs und Hase sich angstfrei “gute Nacht” sagen.

Der X-Fuchs 

Im sehr lesenswerten Buch “Organisation für Komplexität” unterscheidet Niels Pfläging zwischen X- und Y-Menschen. Der Y-Mensch ist motiviert, sucht Lösungen durch Kreativität und ist folglich in Hierarchien totunglücklich.
Der X-Mensch hingegen wird am liebsten angeleitet, vermeidet die Übernahme von Verantwortung, muss angeleitet werden – und existiert nicht.

Doch, er existiert. Zum Teil, weil wir den Teil mit der Erziehung / Sozialisation vermasselt haben: Der Mitarbeiter weiß also noch nicht, dass er zum Y-Menschen taugt. Zum Teil aber auch, weil manche Menschen keine Y-Menschen sein wollen.

Wir kennen Sätze wie:
– “Kann die Email so raus?”
– “Über diese Gutschrift kann ich nicht Entscheiden” -trotz Handlungsvollmacht
– “Könnte nicht mal jemand von der höheren Ebene mal mit dem Kunden sprechen?”

Wenn sich jemand mal bei einer Email unsicher fühlt, wenn ein Kunde nur in Hierarchien denkt, kann das alles sinnvoll sein. Schließlich entwickelt man sich noch, braucht evtl. auf dem Weg zum Y nur gelegentlich mal einen Rat.
Ich denke aber, dass es auch den X-Menschen gibt, wenn auch nicht so negativ wie Niels Pfläming ihn in seinem Buch beschreibt. Manche Menschen brauchen klare Anweisungen, sie wollen jemanden, der Entscheidungen für sie trifft. Sie brauchen einen angsteinflößenden Bären, “der für Recht und Ordnung sorgt”, da sie sich ohne Bär unsicher fühlen.

Bären und X-Füchse – überall

Ihr glaubt nicht, dass es  X-Füchse gibt und diese einen Bären wollen? Ersetzt “angsteinflößenden Bären” durch “starken Mann” oder “starke Regierung” und beobachtet die Ergebnisse der letzten Wahlen.

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